Archiv der Kategorie '(Festival-)Reflexionen 2014/2015'

„Sex Work is Work!“: (Festival-) Reflexion #4

Was ist eigentlich Sexarbeit? Klar, Sexarbeit kann das sein, was landläufig unter der Bezeichnung „Prostitution“ verstanden wird: bezahlter Geschlechtsverkehr, körperliche sexuelle Interaktionen. Sexuelle Dienstleistungen können aber auch ganz anders aussehen: Stripshows, erotische Massagen, Telefonsex, Escort, Domination-Submission-Spiele, Mitwirkung an erotischen_pornografischen Filmen, Fotos usw., … gearbeitet wird in (einzeln oder gemeinsam) gemieteten Räumen, Bordellen, den eigenen Privaträumen, den Privaträumen der Kund_innen, der Straße, bei Veranstaltungen, … Sexarbeit kann als Haupteinnahmequelle dienen, als Nebenverdienst, für eine kurze Zeit oder bis zur Rente. Sexarbeiter_innen verdienen sich damit ihr Brot, ihre Miete, die Klassenfahrt der Kinder, das Studium oder den nächsten Urlaub, sind ‚jung‘ oder ‚alt‘, Migrant_innen oder ‚Alteingesessene‘, ohne Abschluss oder Akademiker_innen.

Mit dieser schlaglichtartigen und höchst unvollständigen Aufzählung will ich andeuten, dass Sexarbeit viele Facetten besitzt, von unterschiedlichen Personen in verschiedenen Lebenslagen aus zahlreichen Gründen ausgeübt wird und sich damit keinesfalls einheitlich in die gängige (Tatort-) Erzählweise der hilfsbedürftigen, jungen, ‚nicht-deutschen‘/'nicht-europäischen‘, ungebildeten und abhängigen Mädchen packen lässt.
Dass diese vereinnahmende Erzählweise nicht vom reinen ‚Helfer_innensyndrom‘ herrührt, sondern patriarchale und nationale Interessen stützt, mag nun mehr oder weniger verwundern … (mehr…)

Wie fat positive ist dein Umfeld?: (Festival-) Reflexion #3

„Lasst uns fette Banden bilden!“; dieser ermutigende Aufruf war – zu meiner Überraschung und Freude – der Titel eines Workshops auf einem queerfeministischen Festival. Nun muss ich vorwegnehmen, dass ich an diesem Workshop nicht teilgenommen habe und daher nichts über dessen Inhalt weitergeben kann, ich bitte um Verzeihung. Ich nutze die Ankündigung dennoch als Ausgangspunkt, um weitere Überlegungen und Verweise zum Thema fat shaming bzw. fat positive anzuknüpfen …

Wer jetzt schon wieder aussteigen will, weil er_sie sich davon nicht betroffen oder dafür nicht zuständig fühlt, gar weil das in der eigenen Szene/dem eigenen Umfeld „kein Thema“ ist, sollte lieber noch einmal darüber nachdenken.

Beispielweise anhand von zwei Fragen aus dem Fragebogen „Are you a Manarchist?“ (~ Bist du ein Macker, der sich Anarchist nennt?):

36. [Do] the only women you are attracted to fit mainstream beauty standards but just dress and do their hair alternatively and maybe have piercings and tattoos? Do you question and challenge your internalised ideals of mainstream beauty ideals for women? (mehr…)

Wenig zu feiern mit schwarz-rot-gold: (Festival-) Reflexion #2

„Na, was meinst du, wie haben WIR gestern gespielt?!“

… Hm, also ich hab gestern überhaupt nix gespielt. Du glaube ich auch nicht. Und was überhaupt? Ach, du sprichst von der Fußballherrennationalmannschaft. Also die haben mir noch kein Bier ausgegeben. Und ein knappes Dutzend Männer, die durch die Gegend rennen und irgendwo gegentreten sehe ich oft genug nachts auf dem Nachhauseweg. „Wir?“ Ich glaube nicht, dass ich was mit denen gemein habe. Kann mich auch nicht daran erinnern, denen irgendein Mandat überreicht zu haben, geschweige denn meine Stimme. Für Fußball interessiere ich mich nicht; aber darum geht es wohl auch nicht.

Die schwarz-rot-goldene Flut, die mir in Supermärkten, aus Apothekenfenstern, in Bäckereiauslagen, von Bankplakaten herunter und nicht zuletzt von Autodächern und Häuserfassaden entgegen schwappt, lässt mich nicht an heimliche Fußballcracks mit einer bisher nur im stillen Kämmerchen gepflegten Vorliebe denken. Begeisterung für Ballsport wecken – dafür sind Nationalflaggen doch denkbar ungeeignet? (mehr…)

Trans* in queer-feministischen Räumen: (Festival-) Reflexion #1

Mein Name ist Laura* und mein Pronomen ist „sie“.

In den letzten Wochen habe ich mich auf verschiedenen queer-feministischen Festivals getummelt und (auch dazwischen) eine Menge Gespräche über damit verbundene Themen geführt. Vorstellungsrunden mit Namen und Pronomen, Namens-/Pronomenschilder oder entsprechend codierte Armbänder waren auf diesen Veranstaltungen selbstverständlich, oder zumindest allseits als wünschenswert anerkannt.

Wenn du dich fragst „Woher die Notwendigkeit?“, dann ein kurzer Exkurs:
Ob dein Gegenüber z.B. Trans*, Transmann, Transfrau, Transgender_genderqueer, Genderqueer_genderfluid, weder*noch-Trans, femmy butch, Genderneutral, Neutrois, Inter* … , … oder etwa doch Cis-Frau, Cis-Mann ist, weißt du nicht. Ebenso kannst du nicht erraten, mit welchen Pronomen Personen bezeichnet werden wollen: (mehr…)