Die folgenden Begriffserläuterungen sind 2012 entstanden; ich finde sie in der Beschreibung immer noch in Ordnung, würde aber bei einer Neuformulierung heute noch wesentlich deutlicher auf Cis-Sexismus Bezug nehmen, also Unsichtbarmachung/Abwertung/Angriffe/… auf Trans*- und Inter*-Personen und -Geschlechtsentwürfe, sowie auf die Fiktion von Zweigeschlechtlichkeit und der sozial-rechtlichen Zuteilung dieser nach der Geburt. Für Ausführungen dazu empfehle ich die Beiträge der Kategorie ‚Supporting Trans*-/Inter*-Sichtbarkeit!
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(Hetero-) Sexismus?

Sexismus fängt m. E. nicht erst bei formaler Benachteiligung (z.B. Ausschlusskriterien qua Geschlecht, rechtliche Nicht-Gleichstellung etc.) oder bei (Zurschaustellung von) einer abwertenden Haltung gegenüber dem einen oder anderen Geschlecht an;
Sexismus stellt eine Struktur dar, welche von der Ungleichheit von Geschlechtern ausgeht und Ungleichheit (re-) produziert.
Dies umfasst u.a. höhere bzw. niedrigere Bewertung von ‚Männlichkeit‘ bzw. ‚Weiblichkeit‘ und ungleiche Zugangschancen für ‚Männer‘ bzw. ‚Frauen‘ in geschlechtssegregierten gesellschaftlichen Feldern. Sexismus ist dabei an die Vorstellung von festen (homogenen) Geschlechterkategorien geknüpft, zwischen denen bedeutsame Unterschiede bestehen und die sich durch spezifische, komplementäre Eigenschaften (Vorlieben, Talente, u.v.m.) auszeichnen (Geschlechterstereotype, Rollenbilder). Sexistisches Verhalten beginnt daher bei der Fremdzuschreibung gegenüber anderen, wenn ich sie einer Geschlechtskategorie zuordne und (allein) anhand dessen Vermutungen über diese Person anstelle, bzw. wenn ich verallgemeinernde Aussagen über die (vermeintlich) Angehörigen einer Geschlechtskategorie treffe. Diese Aussagen können wertend gemeint sein oder nicht; in den meisten Fällen steckt vermutlich keine sexistische Absicht dahinter und die Handlungen werden auch nicht als sexistisch erkannt – was sowohl mit der Definition von Sexismus – und mangelnder (begrifflicher) Auseinandersetzung damit in der Gesellschaft – zusammenhängt, als auch mit der großen Selbstverständlichkeit, die Geschlechterbilder in der Gesellschaft einnehmen: Sexismus und Geschlechterstereotype reproduzieren sich.
Unter diesem Gesichtspunkt finden sich unvermeidlich Aspekte von Sexismus in unserem Alltag und in allen gesellschaftlichen Feldern.
… Noch!

(Den Begriff ‚Heterosexismus‘ verwende ich hier synonym zu meinem Sexismusbegriff; er soll nicht eine besondere Form von Sexismus darstellen, sondern auf die komplementär angelegten Rollenbilder (mit Heteronormativität als einem Kristallisationspunkt dieser Vorstellungen) hinweisen, die auf der oppositionellen Konstruktion von ‚Männlichkeit‘ und ‚Weiblichkeit‘ basieren.
Edit: Auch wenn dieser Zugang für mich zunächst erhellend war, bin ich mir inzwischen unschlüssig, ob diese Begriffsverwendung sinnvoll war – wird ‚Heterosexismus‘ doch auch synonym zu ‚Homophobie‘ verwendet/verstanden. [Was ja eigentlich auch besser passt, da es dabei nicht um krankhafte Ängste einzelner Personen – Phobien –, sondern um strukturelle Ungleichbehandlung geht…] Andererseits ist der Entwurf von Zweigeschlechtlichkeit derart eng mit Heterosexualität als Norm [‘Heteronormativität‘] verwoben, dass beides zumeist Hand in Hand geht. …Soweit zur Entwicklungen in der Begriffsverwendung … )

Hacken?
Hacken heißt, außergewöhnliche Lösungswege finden – auch und gerade für Probleme, die der Mehrheit gar nicht bewusst sind, da sie einen Teil der unhinterfragten Selbstverständlichkeiten darstellen, ‚Teil des Systems‘ sind. Nicht zuletzt heißt ‚hacken‘ Spaß am Spiel mit Erlaubtem und Nicht-Erlaubtem, am Übertritt von Normen und Konventionen, am selbstständigen Erkunden, daran, Vorgegebenes im eigenen Sinne zu hinterfragen und umzudeuten und sich neu anzueignen. Diese Grundhaltung lässt sich hervorragend für Dekonstruktion(en) von Geschlechterverhältnissen zunutze machen.
Diese Auseinandersetzung kann auf eigene Vorstellungen und Stereotype, Sensibilisierung für den Umgang mit Geschlecht/Sexismus im eigenen Umfeld, Kommunikationskultur, Austausch und Aufmerksamkeitserzeugung Anwendung finden.

Aus.sprache, be.sprechen, um.schreiben …
Sprache ist ein „Zeichensystem, das Wirklichkeit nicht beschreibt, sondern erst erstellt“ (Tangens 1997, S. 124), sie hängt eng mit unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit zusammen und spiegelt gesellschaftliche Vorstellungen von Normalität. Sie gibt Aufschluss über (ideal- oder stereotypische) Vorstellungen von ‚Männlichkeit‘ und ‚Weiblichkeit‘ und deren Verhältnis zueinander – und ist im Falle der deutschen Sprache stark androzentrisch (Männlichkeit als Normalfall): ‚Der kleine Mann‘, das ist jedermann; über Herr.schaft macht man sich nicht viele Gedanken…
Um gegen Sexismus vorzugehen, ist es sinnvoll, auf sexistische und androzentrische Vorstellungen in den ‚Grundfesten‘ der Gesellschaft aufmerksam zu machen – um diese nachhaltig abzubauen, muss die ‚symbolische Revolution‘ (Bourdieu) auch auf Sprache bezogen werden.
Hacken von Sprache bedeutet dementsprechend, mit neuen Formen der Sprech- und Schreibweisen zu experimentieren, kreativ und subversiv damit umzugehen, um einer geschlechtergerechten (bzw. geschlechtsunabhängigen) Sprachpraxis näher zu kommen.

(Zitatquelle: Tangens, Rena (1997): Netzwesen – Macht kommt von machen. In: Hooffacker, Gabriele, Tangens, Rena (Hrsg.): Frauen & Netze. Findig reisen in den Netzen. Reinbek: Rowohlt, S. 120-135.)