[kurz verlinkt:] „Graswurzel-Journalismus ist kein Verbrechen! Freiheit für Kazım Kızıl!“

Dies ist die Übersetzung eines Artikels über die Inhaftierung von Kazım Kızıl, einem Medienaktivisten, der über Proteste im Zuge des Referendums in der Türkei vor 10 Tagen berichtete.
Gleichzeitig ist es ein Ausschnitt der Geschichte darüber, wie eine freie Gesellschaft systematisch verunmöglicht werden soll, darüber, wie freie Berichterstattung und Menschenrechte nach und nach abgeschafft werden – aber auch ein Kapitel derer, die sich dem entgegenstellen und ihr Leben für die Freiheit aller einsetzen.

Dies ist nicht nur eine Geschichte der Türkei, Geschichtsschreibung endet nicht an Staatsgrenzen;
was heute passiert geht uns alle an, betrifft uns alle.
Unsere Solidarität kennt keine Grenzen:
Faşizme karşı omuz omuza!

„Kazım Kızıl ist der Inbegriff von Graswurzel-Journalismus.

Offiziell ist er Apotheker. So verdient er auch seinen Lebensunterhalt. Mit seiner übrigen Zeit und Geld geht er seinen Leidenschaften nach: Autorität in Frage stellen, die Wahrheit dokumentieren, auf künstlerische Art und Weise und teilend mit allen, die sich trauen, bescheid zu wissen. Er ist unter anderem ein sehr produktiver Schriftsteller, Fotograf, Kameramann, Regisseur und Journalist. Er dokumentierte Arbeiter_innen-Streiks, Feministische und LGBTIQ-Aktionen, den Gezi-Aufstand, die Soma-Minenexplosion, die Migrant_innenkrise, Genozid und Zerstörung in Kurdistan. Er machte eine spektakuläre Dokumentation mit den Bäuer_innen in Yırca, die ihre Bäume verteidigen. Er verstärkte die Stimmen und verbreitete die Sichtbarkeit der Unterdrückten in der Türkei. Für all das hat ihm niemand irgendetwas gezahlt. Er hat die Kosten der Ausrüstung bezahlt, den Transport und die Rechnungen. Er tat dies, um die grundlegenden Menschenrechte der Leute zu unterstützen, obwohl das hieß, ständig sein Leben in Gefahr zu bringen. Er war dabei als die erste Bombe Amed traf. Weder Polizeiangriffe noch eine Mörsergranate, die in der Nähe der Grenze zu Kobanê einschlug, konnten ihn aufhalten.

Als die AKP-Regierung offen und gewaltvoll beim Referendum betrog (16. April 2017), um die Verfassung zu ändern, begannen Menschen überall in der Türkei zu protestieren. Kazım filmte die Proteste in Izmir. Er wurde am 17. April gemeinsam mit den Protestierenden, welche er filmte, von der Anti-Terror-Polizei festgenommen. Er wurde beschuldigt, das Demonstrationsgesetz verletzt zu haben, den Präsidenten beleidigt zu haben, Menschen zu Feindseligkeit und Hass aufzuhetzen, basierend auf einem Tweet über das Referendum, welcher besagt: “Unsere Leute/Unser Volk, mit diesem Ergebnis, zeigt uns den Weg zur Straße :) )”. [‘Our people, with such a result, direct us to the streets :) )’] Er wurde von der Regierungs-Propaganda-Agentur Anadolu Agency als Provokateur ins Visier genommen. Am 21. April verfügte das Gericht über seine Inhaftierung mit der Anklage der Präsidentenbeleidigung, ohne jeglichen Beweis. Der wahre Grund seiner Inhaftierung wurde von Staatsanwalt und Richter zugegeben: Ein großes Ereignis wie Gezi wird erwartet und sie glauben, dass es Leute wie Kazım sind, welche die Revolte entfachen werden.

Kazım wurde vond er Polizei einer Leibesvisitation unterzogen und ihm wurde 3 Tage lang Wasser verweigert, bevor sie ihn dann ins Menemen T-Typ-Gefängnis brachten. Türkische Gefängnisse sind berüchtigt für Folter. Im Şakran-Gefängnis, welches “das führende Gefängnis ist von all den Gefängnissen, in denen systematisch Unterdrückung und Folter angewendet werden”, führten Insassen einen 64-tägigen Hungerstreik durch, welcher sich auf viele Gefängnisse ausweitete. Es gab Berichte über ein spezielles Team von Soldaten-Veteranen und Polizei, welches kontinuierlich Folter gegen die Hungerstreiks einsetzte. Dieser Streik wurde vor wenigen Tagen durch einen Aufruf der KCK beendet, inmitten eines fehlenden öffentlichen Bewusstseins dafür. In diesem brutalen Kerkersystem ist Kazım ein unbefristet Inhaftierter, da sein Verhandlungstermin nicht festgesetzt wurde.

In der Zwischenzeit sind die Kerker der Türkei wörtlich überfüllt von politischen Gefangenen. Der historische Weltrekord von 81 inhaftierten Journalist_innen wurde im Dezember 2016 vom Committee to Protect Journalists verkündet. Im April 2017 steht die Zahl bei 231, welche Kazim Kizil nicht einmal mitzählt. Er ist einer der Tausenden, welche wegen vorgeblicher Präsidentenbeleidigung über Soziale Medien eingesperrt wurden.

Neben Straßenaktionen und Pressemitteilungen starteten Kazıms Freund_innen eine Facebook-Seite und eine change.org-Petition für seine Freilassung bis zum Prozess.

Ihr könnte Kazım helfen, indem ihr die Nachricht verbreitet. Wenn ihr in verschiedene Sprachen übersetzen oder auf irgendeine andere Art helfen könnt, kontaktiert uns bitte: freekazim@globalrevolution.tv

#FreeKazim
#KazimKizilaOzgurluk
#OzgurBasinSusturulamaz“

Updates findet ihr auf dem Blog freekazim.wordpress.com.

[Übersetzung an das editierte Original angeglichen am 27.04.]