8. März: Wessen Kampftag? Oder: Wer ist Frauen*?

Rund um den 8. März gab es wieder allerhand feministische Vorträge, Demonstrationen, Partys und viele andere Veranstaltungen und Aktionen, die Austausch und Vernetzung zu (queer-) feministischen Diskussionen vorantrieben und (queer-) feministische Anliegen und Kämpfe sichtbar auf die Straße trugen. Dabei kümmerten sich viele Akteur_innen um ein Zusammendenken und Verschränken verschiedener Kämpfe und deren Dimensionen, z.B. in der Zusammenarbeit verschiedener Gruppen, durch thematischen Bezug auf internationale feministische Kämpfe und die Situation von Geflüchteten (Frauen*) in der BRD, verbunden mit Kundgebungen auf verschiedenen Sprachen und dem Bemühen um Demonstrationen, bei denen auch Geflüchtete möglichst unbesorgt teilnehmen können (beispielsweise die Demo des International Women’s Space Berlin oder die Reclaim Feminism Demo in Köln.) Die Notwendigkeit, unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse und Betroffenheiten einzubeziehen, ist also vielerorts deutlich zum Ausdruck gebracht worden – auch wenn in jeder Hinsicht noch viel zu tun ist.

Über eine Schwierigkeit im Einbeziehen verschiedener Verortungen stolpert eine_r direkt im Titel der meisten Veranstaltungen oder spätestens in den Texten dazu: Frau*. Genauer gesagt, über die Verwendung des Begriffes Frau*.
Oft wird der Begriff Frau* mit dem (variierend formulierten) Verweis verwendet, dass durch das Sternchen auch alle Menschen gemeint sind, die als Frauen* gelesen werden und damit verbundene sexistische/frauenfeindliche Erfahrungen machen.

Was daran problematisch ist, hat der Zusammenschluss w.i.r. – linksradikale Trans*vernetzung NRW in ihrer Kritik am Aufruf zum 8. März 2014 in Berlin prägnant formuliert:

„Trans*Männer, männliche Trans*, Trans*Jungs sind KEINE Frauen – weder mit noch ohne Sternchen. Mit eurer Definition schließt ihr Menschen mit ein, die sich jahrelang gegen die Zwangseinordnung als Frau gewehrt haben und/oder es immer noch tun. Damit übergeht ihr leider jegliche Selbstverortung von Trans*menschen. (…)
Trans*Frauen und Inter*Frauen sind Frauen. Ob mit oder ohne Sternchen. Wir verstehen das Sternchen bei Frauen* eher als Zeichen dafür, dass die Kategorie Frau konstruiert ist.“

Dass diese Kritik auch zum 8. März 2016 noch aktuell ist, zeigt zum Beispiel der Comic „nicht mal mit *. Frauen*kampftag 2016“ von bleistiftrebellx (ich weiß nicht ob/wie Permanentlinks zu Tumbler-Seiten hergestellt werden können – zur Sicherheit hier also noch der Permanentlink zum Bild, leider ohne Blogpost).

Dass Frau* immer noch häufig als ausreichend erachtete ‚Sammelbezeichnung‘ verwendet wird, schließt also – entgegen der Absicht vieler Organisator_innen – leider weiterhin Menschen aus, mit denen eine_r sich solidarisieren, verbünden oder sie einladen will.

Transmänner und Nonbinary-Personen sind keine Frauen*. Wenn wir also Einladungen formulieren, über Erfahrungen in sexistischen gesellschaftliche Strukturen sprechen oder aus anderen Gründen gesellschaftliche Gruppen anhand ihrer Betroffenheiten benennen wollen, müssen wir uns über die Gründe und Ziele des Benennens und evtl. über die damit verbundenen Erfahrungen im Klaren sein. Geht es in dem Fall um Frauen*? Wenn ja, wird darin auch die Perspektive von Transfrauen reflektiert? Sind lesbische Erfahrungen einbezogen? Geht es inhaltlich vorwiegend um Cis-FrauenLesben? Geht es um FrauenLesbenTransInter (FLTI)? Und haben wir uns damit befasst, was die körperlichen Eingriffen gegenüber als geschlechtlich uneindeutig eingeordneten Kindern bedeuten? Sind auch Intersex-Personen willkommen, die sich männlich verorten? Sind mit Trans* sowohl Transmänner, Transfrauen und Nonbinary-Transpersonen gemeint? Wie werden deren sehr unterschiedliche Erfahrungen thematisiert? Soll die Veranstaltung open to all gender sein oder für alle Nicht-Cis-Männer? Und wie ist die Türpolitik? …
Das sind viele Fragen (und diese beziehen sich nur auf die Dimension Gender…), aber wenn wir in unseren Veranstaltungen und Kämpfen gegen sexistische Strukturen gemeinsam vorgehen und (potentielle) Verbündete nicht ausschließen wollen, lohnt es, sich diese zu stellen und ehrlich zu beantworten. Nicht nur am 8. März, sondern alle Tage.

Was auch dazu gehört, ist eine Auseinandersetzung mit Transmisogynie. Da auch das oft unklar verhandelt wird (siehe z.B. Türpolitik) hier noch ein paar Links zum Stichwort:

Musik (deutsch) und Workshops
„Transmisogynie ist ein schwieriges Wort, aber ich finde es wichtig; es bedeutet Hass und Gewalt gegen Transfrauen und Transweiblichkeiten“:
FaulenzA
zum Thema vor allem die Lieder „Transmisogynie“ (Zitat oben) und „Save Räume“ (warum Vulvas als Werbung für Frauen*räume trans*ausschließend sind: „auch mein Körper ist weiblich, einfach weil ich eine Frau bin“)
Sie gibt auch Workshops (zu Trans*misogynie, zu Femminitätsfeindlichkeit und Selbstverteidigung/Selbstbehauptung für FLT*I*)

Text (deutsch)
„Same discussions as every year. Interventionen gegen die (bewusste oder unbewusste) Ausgrenzung von trans*Frauen“ von w.i.r – linksradikale Trans*vernetzung NRW:
Als Blogartikel
bzw. als längeren Flyer
(Gedanken über geschlossene Räume: Partys, Demos, Gruppen, Workshops, Klos, Duschen, Schlafräume, safer spaces)

Bild + Text (englisch)
Trouble x: „You don‘t need to have a vagina* to be a woman*!“-Meme
plus Erläuterung: „Why (my) Vagina* has an Asterisk“

Comic-Reihe (englisch)
assigned male von Sophie Labelle: the incredible adventures of Stephie (who happens to be trans)