Klare Ansagen zum 8. März (powered by Wut im Bauch)

Liebe Mitstreiter*innen und Typen!
Weltweit gehen heute Frauen*Lesben*Trans*Nicht-Cis-Männer auf die Straße, um zu kämpfen, um laut und deutlich die Ansage zu machen: Wir sind hier um uns gegen jegliche Form männlicher Unterdückung zur Wehr zu setzen, gegen eure körperliche und psychische Gewalt, gegen eure Ignoranz und Geringschätzung, gegen eure Unsichtbarmachung und Vereinnahmung unserer Errungenschaften, gegen eure gewaltsam aufgebaute Vormachtstellung, gegen euer Überlegenheitsgefühl und eure Herrschaftsapparate, gegen eure Weigerung euch mit euren Priviliegien in Staat, Familie, Erwerbsarbeit, Beziehungen, dem öffentlichen Raum und politischen Kontexten auseinanderzusetzen, gegen alles was ihr uns entgegensetzt, von Feminizid bis zu Kommentaren über unsere Körper, von Paragraph 218 bis „ich erklär dir mal den Feminismus“. Euer Dominanzgehabe kotzt uns an, egal ob in Gestalt von androzentrischer (männerzentrierter) Berichterstattung, antifeministischem Herumgeprolle, schleimigen Vorgesetzten oder vermeintlich profeministischen Laberern. Wir werden euch nicht bitten, euch von euren Privilegien zu verabschieden, wir werden euch nicht bitten, eure Unterdrückungsinstrumente doch ein bisschen erträglicher zu gestalten. Wir sind hier um euch wissen zu lassen, dass wir keine Kompromisse machen und nicht darauf warten, bis ihr uns einen gleichberechtigten Stand und würdevolle Leben zugesteht. Wir brauchen euch nicht, um Zugeständnisse zu machen oder um uns zu unterstützen – wir sind hier, um euch zu sagen, dass ihr das Problem seid! Solange ihr das nicht erkannt habt betrachtet den Frauen*Kampftag als Kampfansage an euch, ja, an euch, das heißt an dich!

(privilegierte, weiße, Hetero- Cis-) Typen!
Ich frage euch und ich frage euch hiermit zum letzten Mal:
Was ist der 8. März für euch?
Was bedeutet dieser Tag für euch – und falls ihr darauf keine Antwort habt: Warum konntet ihr euch leisten, darüber noch nicht nachzudenken?

Wie nutzt ihr diesen Tag?
Habt ihr euch für diesen Tag mit anderen Typen organisiert? Um mal die unsichtbare Politarbeit hinter den Kulissen zu machen? Um euch endlich mal kritisch über Männlichkeit auszutauschen?
Nutzt ihr den 8. März als Anlass, euch Gedanken zu machen? Die massig verfügbaren Texte von Feminist_innen zu lesen, über Kritik und Wünsche eurer Freund_innen, Partner_innen, Mitbewohner_innen, Genoss_innen, Schwestern nachzudenken?

Wo seid ihr heute?
Hängt ihr Soli-Transparente in der Stadt auf? Verteilt ihr Flyer oder schreibt Rundmails, um eure Freunde, Bekannte und Genossen auf feministische Auseinandersetzungen aufmerksam zu machen? Macht ihr einen Besuch beim örtlichen Männerbund, um ihnen kundzutun, dass der 8. März auch eine Kampfansage an sie ist? Seid ihr in der Küche, um etwas zu kochen, wenn wir von der Demo (-orga) nach hause kommen? Seid ihr zu hause, um mal – ohne dass ihr dran seid – die Wohnung zu putzen? Sitzt ihr an Schreibtisch, Computer, vor Papier oder SmartPhone, um die Frauen*Lesben*Trans*Personen in eurem Leben mal wissen zu lassen, dass ihr sie schätzt und wofür ihr ihnen zu Dank verpflichted seid? Sitzt ihr zusammen mit Freunden, Mitbewohnern, Genossen, um euch zu überlegen, was uns entlasten und worüber wir uns freuen würden oder was ihr tun könnt, um unsere (persönlichen und politischen) Beziehungen erträglicher und tatsächlich gleichberechtigter zu gestalten?

Und nur zur Klärung: Das sind zwar Fragen – aber bitte labert mich nicht voll.
Ich will dazu keine Antworten hören.
Ich will Taten sehen.