Am 8. März & an allen Tagen: Rape Culture bekämpfen!: (Festival-) Reflexion #7

Reichlich spät, dafür aber pünktlich zum weltweiten Frauen*Kampftag, kommt hier noch ein Beitrag aus der Reihe Festival-Reflexionen! Er wird nicht so smooth wie ich das gern hätte, aber anstatt es länger aufzuschieben, will ich euch zumindest puzzleartig meine Sammlung an Materialien zum Thema zugänglich machen.
(An dieser Stelle vorweg ein riesen Dank an meine Freund_innen und Mitstreiter_innen, durch die ich zu den Slogans und den Zines, den Links und Diskussionen, den Festivals und Erkenntnissen gekommen bin – eure Mühe ist nicht vergessen; dass genau diese Arbeit oft von denen gemacht wird, die eigentlich selbst Support brauchen, ist bitter – ich hoffe ich kann hiermit ein wenig zur Umverteilung dieser Belastungen beitragen…)
Aber vorher: Worum geht’s überhaupt?

„Gegen Macker und Rassisten, fight the power, fight the system!“
Es geht (um nur ein mögliches von unendlichen Beispielen zu nennen) um Radiosender, die fleißig Lieder spielen, welche ausschließlich von romatisierten Heterobeziehungen handeln, die mein Lebensziel als Frau* auf die erfolgreiche Auserwählung durch einen Mann* reduzieren und mir nahelegen, dazu meine „weiblichen Reize“ einzusetzen und mich ansonsten gefügig zu verhalten; die zudem noch sexistische und sexualisierte Grenzüberschreitungen verharmlosen und romantisieren. Und die mir im Anschluss raten, ich solle nachts nicht alleine nach draußen gehen und am besten eine Notfallpfeife dabei haben. Honestly?! Fuck off!! Abgesehen von der Reflexion der eigenen Aussagen und was in den gesendeten Songtexten so drinsteckt, wäre die einzig richtige Ansage: „Typen, hört auf zu prügeln! Hört auf zu vergewaltigen!“ (Danke local feminists für diese klaren Worte…) Es gibt keine Gewalt und Übergriffe ohne Täter, also fangt gefälligst an, das Problem da zu suchen, wo es entsteht – und nicht wie immer dort, wo es angesprochen und öffentlich gemacht wird! Die einzige Botschaft an Frauen*Trans* und alle Betroffenen von männlicher* Gewalt sollte sein: „Wehrt euch! Organisiert euch! Ihr habt jedes Recht auf Selbstbestimmung, auf die Achtung eurer körperlichen und persönlichen Grenzen und auf freie Bewegung im öffentlichen Raum – auch und erst recht und vor allen Dingen ohne männlichen* Begleitschutz!“
„Frauen*Trans* bildet Banden, Ziele sind genug vorhanden!“

„Gegen Sexismus in jeder Gestalt – keine Toleranz der Männergewalt!“
Und als letzte Ansage an die Radiosender und alle anderen gutmeinenden Institutionen: Der Großteil sexualisierter und anderer Gewalt passiert nicht auf der Straße, nicht von unbekannten Tätern! Gewalt gegen Frauen* und gegen alle, die nicht das Privileg hegemonialer Männlichkeit genießen, findet von Partnern, Expartnern, Angehörigen, Vertrauenspersonen statt – nicht auf der dunklen Straße, sondern in vertrauter Umgebung, da wo wir es nicht erwarten; denn solange das Bild des anonymen Vergewaltigers in der dunklen Straße propagiert wird, ist es (fast) unmöglich, über den Vertrauens- und Machtmissbrauch zu sprechen, der von Beziehungspartnern, Familienangehörigen und Schutzbefohlenen ausgeht und dadurch allzuoft unansprechbar, unaufgedeckt und letztlich ungeahndet bleibt.

Was das Problem ist?
Das Proble heißt rape culture, das Problem heißt sexualisierte Gewalt, das Problem heißt nach wie vor Sexismus und Patriarchat. Das Problem sind Herrschaftsstrukturen und die, die diese reproduzieren, die von ihnen profitieren, und (da es wie immer um gesellschaftliche Verhältnisse geht, in die alle auf die ein oder andere Weise verstrickt sind) das Problem steckt auch in der Weigerung, sich mit diesen Verhältnissen und der eigenen Rolle darin auseinanderzusetzen. Wenn wir alle rape culture doof finden, warum ist sie dann immer noch da?! Richtig, dafür bräuchte es erstmal mehr als ein Lippenbekenntnis gegen Vergewaltigung und sexualisierte Übergriffe, dafür steht erstmal eine Auseinandersetzung mit grundlegenden Strukturen und Denkweisen an, den nirgendwo anders ist rape culture verankert.
„However I dress, wherever I go – yes means yes and no means no!“
Es geht um den Umgang mit Grenzen und mit Grenzverletzungen, es geht um Zustimmung und Kommunikation;
„Raise your voice! My body, my choice!“
es geht um die Anerkennung von körperlicher Selbstbestimmung, es geht um Verantwortung und gerade in Sachen (Schwangerschafts-) Verhütung auch um gleichmäßiger verteilte Verantwortung;
„Feministisches Comeback – Geschlechterrollen müssen weg!“
es geht um Geschlechterrollen und ihre Zerschlagung, um eine kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeit (und dabei vor allem mit der eigenen…), um die Thematisierung geschlechterspezifischer Verteilung von sichtbarer und unsichtbarer Arbeit, um eine Revolution von Reproduktions-, Care- und Beziehungsarbeit;
„Frauen* die kämpfen, sind Frauen* die leben – lasst uns das System zerlegen!“
es geht ums große Ganze! Es geht um eine feministische Befreiung für alle, da sie nämlich alle etwas angeht und für die gerade (privilegierte, weiße, Hetero-) Männer* aufgefordert sind, ihren Beitrag zu leisten und ihre Rolle darin zu finden – in aller erster Linie vielleicht dadurch, sich über diese Rolle mal Gedanken zu machen und dem Versuch, herauszufinden, wo man denn bisher von diesen Verhältnissen profitiert. (Tipp: Wenn euch nichts dazu einfällt, habt ihr noch nicht lange genug gesucht…)
„Zwingt die Macker in die Knie: Feminismus, Anarchie!“

Soweit meine flammende Rede zum 8. März – nicht durchdacht niedergeschrieben, aber mit der nötigen Wut im Bauch und der Entschlossenheit eines FLT*Movements im Rücken.

„…, Macker, Patriarchat – wir haben euch zum Kotzen satt!“
„8. MÄRZ IST ALLE TAGE – DAS IST EINE KAMPFANSAGE!!!“

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Hier nun noch die versprochenen Links (geordnet nach Medium):

Blogs und Artikel

Unterstützer_innengruppe Defma (DIY Emanzipatorisch Feministisch Militant Autonom) – Material, Links und Aktuelles zum Thema Definitionsmacht (z.B. auch das „No means no“-Plakat in verschiedenen Sprachen)

„Wie man Übergriffe vermeidet“ (täterorientiert) aus der an.schläge

Kampagne „Stop Street Harassment“ (englisch)

Flyer
„Defma stellt sich vor“ (Hier in weniger als einer A4-Seite: Was ist Definitionsmacht? Was heißt hier Parteilichkeit?)

„What to do when someone tells you…“: zum Umgang damit, wenn dir jemand sagt, dass du ihre_seine Grenzen verletzt hast oder einen Übergriff begangen hast; hier der Link zum englischen Original, in einem älteren Blogbeitrag von mir auch übersetzt, schaut mal im Archiv.


Zines (kleine selbstgemachte, selbstverlegte Hefte)

Zine-Sammlung der Plattform Phillyspissed zu den Themen Consent, Women*s Self-Defense, Men unlearning rape, … (alles englisch)

Heft „Wegbegleitung“ für Unterstützer_innen von Betroffenen von sexualisierter Gewalt; sowie „Aufbruch“ für Betroffene, außerdem „Kompass“ zu Mythen und Realität im Bezug auf sexualisierte Gewalt.

Kunst

StreetArt:
Stop Telling Women to Smile

SpokenArt:
(Edit:) Bente Varlemann: „Was ich habe“ (Poetry Slam Text – nicht zusammenfassbar, hört es an!)

Liebe Cis-Leute

MusikTrack:
rana esculenta „warum sprichst du so“ (über rape culture talk in deutschem Rap)

ComicStrips:
RobotHugs: „Harassment“: on „how does it happen, that guys don‘t witness (street) harassment“ (englisch)

RobotHugs: „Radical“: on the radical changes we have to ask for, when rejecting rape culture (“… burn it all down and rebuild it better…“)

RobotHugs: „Risky Date“: on risk calculation concerning meeting people_guys you don‘t know in an unknown environment et cetera

Festivals:
Bezüglich des Antifees erinnere ich mich an eine Schutzgruppe, eine Ansprechgruppe und ein FLTI*-Zelt (genaueres zu deren Konzept lest ihr euch am besten auf deren Seite durch);
auf demThe-F-Word gab es einen Flyer zum Thema „Safer space“, der an alle Teilnehmenden verteilt wurde sowie entsprechende Ansprechpersonen. Außerdem gab es hier den Workshop „organizing a response to sexual assault“ (von der SOLI group Nijmegen) zum Umgang mit Grenzüberschreitungen innerhalb von kleineren Communities, inklusive Betreuungsgruppe für die betroffene Person und einem Mentoring der Person, die Grenzen überschritten hat. (Allerdings finde ich meine Notizen dazu gerade nicht…)

Sucht euch eure Ansatzpunkte!
Es gibt genug!
→ „Gegen Sexismus jeder Art! Nieder mit dem Patriarchat!“