Archiv für Juli 2013

Was tun wenn dir Menschen sagen, dass du ihre persönlichen Grenzen verletzt hast

Dies ist eine Übersetzung des wunderbaren Flyers „What to Do When Someone Tells you that you violated their boundaries, made them feel uncomfortable, or committed assault.“ Im Flyerformat findet ihr ihn auf Deutsch auch hier.
Ein paar Gedanken zur Relevanz gibt’s außerdem im Blogpost „Und was ist, wenn MIR das passiert?!“ Zum Umgang mit Grenzverletzungen.


Was tun wenn dir Menschen sagen, dass
- du ihre persönlichen Grenzen verletzt hast
- sie sich durch dein Verhalten unwohl fühlen oder
- du einen Übergriff begangen hast

(ein Anfang)

Dieser Leitfaden bietet Vorschläge an, wie du damit umgehen kannst, wenn dir gesagt wird, dass du eine Person übergriffig behandelt/verletzt/ihr Gewalt angetan hast oder du ihre Grenzen verletzt hast. Dies kann sich auf sexuelle Dinge beziehen, muss es aber nicht.

Menschen, die übergriffig handeln, sind nicht unbedingt Verbrecher.
Sie/wir sind nicht verdammt.
Wir sind menschlich – und wie wir mit diesen Situationen (und uns selbst) umgehen, nachdem wir darauf angesprochen wurden, macht einen höllischen Unterschied. Wirklich.
Mit Übergriffen umzugehen ist möglich.
Es ist deine Verantwortung. (mehr…)

„Und was ist, wenn MIR das passiert?!“ Zum Umgang mit Grenzverletzungen

„Und was ist, wenn MIR das passiert?!“ – Ein Satz der immer wieder fällt, wenn es darum geht, wie damit umgegangen wird, dass persönliche Grenzen verletzt wurden: also wenn direkt oder indirekt geäußert wird „Dein Verhalten ist mir unangenehm“, „Was du getan hast, hat mich verletzt“ oder „Hör auf damit, ich möchte nicht, dass du so mit mir umgehst.“. Das kann sich auf körperliche, verbale oder nonverbale, also auf ganz unterschiedliche Handlungen beziehen. Persönliche Grenzen und „was zu weit geht“ sind verschieden und können von anderen nicht immer erkannt werden. Wenn wir Grenzen überschreiten und somit Übergriffe begehen, müssen wir das nicht unbedingt merken. Verletzungen finden auch nicht erst dann statt, wenn wir eine_n andere_n verletzen wollen. Ergo ereignen sich mehr oder weniger unangenehme Überschreitungen alltäglich. Oft werden wir nichts davon erfahren, weil wir aus unterschiedlichen Gründen nicht darauf angesprochen werden. Umso wichtiger, manchmal auch umso erschütternder, ist es, wenn übergriffiges Verhalten dann doch angesprochen wird und wir darauf reagieren müssen. Sei es, dass wir selbst verletzt haben, sei es, dass wir als Verantwortliche (z.B. für einen Raum) auf die Verletzungen anderer hingewiesen werden.

Wie dringlich eine Auseinandersetzung mit diesen Situationen ist, zeigt sich an folgender Feststellung: Der Signalsatz mit der Frage nach der eigenen Betroffenheit („Und was ist, wenn MIR das passiert?!“) wird erstaunlicherweise nicht von denen verwendet, die sich von Übergriffen betroffen sehen (im Sinne von „Was kann ich/was können wir tun, wenn meine Grenzen verletzt werden?“) – sondern von denen, die fürchten, selbst Übergriffe zu begehen und darauf angesprochen zu werden. Entgegen der passiven Betroffenheit, die dieser (meist in alarmierendem Ton vorgebrachte) Ausruf suggeriert, müsste es richtiger heißen:

„Was soll ich tun, wenn ich mich grenzverletzend verhalten habe und dann zur Verantwortung gezogen werde?“.

Und damit sind wir auch schon beim Kernpunkt angekommen: es geht um die Übernahme von Verantwortung, für das was wir tun. (mehr…)