Archiv für Dezember 2012

29C3: Hackerjeopardy, Sexismus & rote Karten

Zwischenmeldung aus Hamburg vom 29C3 (Chaos Communication Congress):
Das beliebte „Hackerjeopardy“ hat sich gerade zum Eklat in Sachen Sexismus ausgewachsen.
Zur Anti-Harrassment-Policy gibt es dieses Jahr außerdem rote, gelbe und grüne Karten, die – vereinfacht gesagt – bei sexistischen Äußerungen überreicht werden können, um die Person darauf aufmerksam zu machen, dass das gerade echt daneben und sexistisch, verletzend war (bzw. äußerst fraglich – gelb – bzw. empowernd, Anerkennung verdienend – grün – ). (Tatsächlich sind mir diese Karten bis zu dieser Veranstaltung nur von Weitem begegnet; schade eigentlich.) Der Moderator der Quizshow ließ in Halle 1, vor Hunderten von Kongressteilnehmer_innen, kaum eine Gelegenheit aus, sich darüber lustig zu machen. Die empörten Zurufe aus dem Publikum überging er, die rote Karte, die ihm mitten in der Veranstaltung überreicht bekam, sah er als Anlass zu weiteren Heiterkeiten.
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Sexismus, Subversion, Hacker*kongresse

Crosspost von femgeeks.de; Gastbeitrag meinerseits, der sich dem bereits erwähnten ‚Gender(de)bug(ging)‘ – also (dem Aufbruch von) Sexismus in der Hacker*szene widmet …

29C3. In weniger als einer Woche werde ich mich beim Chaos Communication Congress unter tausende von Hackern, Programmierern und Technikfreaks mischen. Ich blicke auf das Pseudo-Batik-Kleid und das grünen Longsleeve, das ich trage. Keine schwarze Jeans, kein Shirt mit Meme-Referenz. Unsichtbarmachen kann ich mich dort wohl eher nicht … Ich frage mich, wie viele Frauen dort sein werden. Auf den kleineren Konferenzen dieses Jahr waren es vielleicht 20, teils auch 30 Prozent; aber beim C3 sind es deutlich weniger, soweit ich gehört habe.
Blick zurück, Dezember 2011: Meine Freunde fahren zum 28C3, ich bleibe ehrfürchtig und neugierig zu hause. Spannend fände ich ja schon, was da passiert … Aber ich habe keine Ahnung von Programmierung und alldem. Ich bin kein Geek. Wenn mich jemand nach einer Meinung fragen würde, müsste ich peinlich berührt zugeben, keine Ahnung zu haben. Und in der Menge tarnen kann ich mich schlecht. Aber eigentlich müssten sie sich doch freuen, wenn ich auch anfange, mich dafür zu interessieren; immerhin sieht sich der CCC ja als „Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen“ .
Hacker, Programmierer, … warum gibt es so viel weniger Hackerinnen und Programmiererinnen? Das faszinierende an der Hackerszene ist doch gerade der Hauch von Subversion, der von ihr ausgeht, die vage Idee von Autoritätskritik, die wagemutige Haltung, unkonforme Wege zu gehen, das lustvolle Experimentieren, eigene Ideale gegen bestehende Normen stellen …
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Frauenbeauftragte stellen sich gegen sexistische Werbung von UNICUM

Nach der StuPa-Resolution, die sich gegen Verträge mit UNICUM und deren sexistische Darstellungen richtete, haben nun auch die versammelten Frauenbeauftragten und der Vertrauensrat der Uni Marburg eine Stellungnahme zur Sache veröffentlicht.
Ihre Kritik schließt sich im Wesentlichen an jene an, die schon im Rahmen des offenen Briefes, sowie von freedumm und vom StuPa formuliert wurde. Konkret heißt es dort:
„Wir, die Frauenbeauftragten der Fachbereiche und der Universität sowie der Vertrauensrat, positionieren uns deutlich gegen sexistische Darstellungen in unserem universitären Alltag.“
Soweit mir bekannt ist, wird diese Stellungnahme zudem von Zentrum für Gender Studies sowie vom femArchiv unterstützt.

Die Bedingungen stehen also gut dafür, sexistischer Werbung an der Uni tatsächlich Einhalt zu gebieten.

Eine Übersicht der Ereignisse, Unterstützer*innen sowie Material (ihr könnt schöne Aufkleber anfordern) findet ihr übrigens auf der „UNICUM vom Campus kicken!“-Kampagnenseite von freedumm.

Hacker*szene & Geschlechterverhältnisse

Zu dem berechtigten Unmut gibt es aber auch gute Nachrichten:
Katrin Rönicke von netzfeminismus.org hat nach Rücksprache mit mir dort freundlicherweise meine Hausarbeit „HeteroSexismus hacken – Spannungsfelder und Potenziale zum Aufbruch von Geschlechterverhältnissen in der Hacker*szene“ bereitgestellt (auch als Diskussiongrundlage für den Chaos Communication Congress …)

Darin versuche ich, die (deutsche) Hacker*szene zu skizzieren, gebe einen Kurzüberblick darüber, wie Geschlecht konstruiert wird und was Sexismus bedeutet; außerdem geht die Arbeit der Frage nach, wie es trotz gegenteiliger Bestrebungen zu einer bedeutenden Unterrepräsentanz von Hackerinnen kommt, wo die Potenziale der Hacker*szene liegen, gegen Sexismus anzugehen und wo die besonderen Vorteile des Bloggens in diesem Kontext liegen …

Viel Spaß beim Durchblättern!

PS:
Passend zur Frage „Wer wird (erfolgreiche_r) Informatiker_in?“ hab ich kürzliche einen interessanten Blogpost zum Thema „Meritokratie“ gelesen, der verdeutlicht, dass Erfolg vielleicht doch nicht ausschließlich auf Leistung basiert … (Danke an M für den Link)

UNICUM bietet victim blaming Plattform

[Triggerwarning]
Ihr erinnert euch an die Slutwalks und deren Auslöser?
Da ging es um sexualisierte Gewalt an Frauen und ein Polizist äußerte sich dazu – wie? Vielleicht mit „In keiner Situation und unter keinen Umständen hat ein Mann das Recht, eine Frau anzufassen, wenn sie dies nicht möchte“? So einfach wär’s gewesen. Aber stattdessen lautete der Ratschlag, Frauen sollten sich an eine bestimmte Kleiderordnung halten. Ach so, ich wusste nicht, dass menschliche Grundrechte ausgesetzt werden, wenn ich die ‚falsche‘ Kleidung trage. Was der Polizist da herumblökte, kann unter die Begriffe ‚victim blaming‘ und ‚rape culture‘ gefasst werden; dagegen richteten sich die Slutwalks.

UNICUM hat von den Slutwalks gehört, aber anscheinend nichts davon verstanden. Wie sonst kommen sie auf die Idee, eine
„kompetente Zielgruppe“ (welche Ziele?) für die Befragung zum Thema seien „junge deutsche (männliche) Studenten“ (die keine Ahnung haben)? Dass die nicht verstehen, warum diese Aussage menschen(rechts)verachtend ist, verwundert bei der (fehlenden/schrägen) Berichterstattung nicht; dass UNICUM Aussagen, die in Richtung victim blaming gehen, unkommentiert wiedergibt, ist dagegen völlig inakzeptabel, frauenfeindlich und grob verletzend. Die Vergleiche zu religiösbedingter Verhüllung, die auch (mehrfach) auftauchen, sind dazu fehl am Platz und schüren tendenziell Islamfeindlichkeit.

Noch Zweifel an der Harmlosigkeit sexistischer Botschaften, die von UNICUM verbreitet werden?
Ich nicht.
UNICUM vom Campus kicken!