Stellungnahmen der HDPlerinnen und kurdischen freien jungen Frauen Heilbronn gegen türkischen Gesetzesentwurf „Heirate deinen Vergewaltiger“

Gestern veröffentlichten die Parlamentarierinnen der HDP eine Stellungnahme (hier in Englisch) zu einem neuen Gesetzesentwurf, gemäß dem in der Türkei Vergewaltigung (von Kindern) nicht bestraft wird, wenn der Täter die Person (irgendwann) später heiratet.

Stellungnahme der Jinen Ciwanen Azad Heilbronn (auf deutsch):

„Machtmissbrauch der Männer wird vom türkischen Staat geduldet- sogar gelobt, was der Welt noch einmal offen zeigt wie hegemonisch, sexistisch und pervers die türkische Regierung ist. Kurdische Frauen protestieren nun, aber nicht nur für kurdische Frauen, sondern für alle Frauen, die in der Türkei leben. Mit diesem Entschluss hat die AKP Regierung die Wege für Massenvergewaltigungen geöffnet. Letzendes kann der Vergewaltiger mit einer einfachen Heirat einer Strafe entkommen, es wird ihm erleichtert über die Frau zu herrschen und ihren Körper und ihre Seele zu schänden. Das alles ist unabhängig von dem Alter des Opfers. Gerade deshalb sind viele junge Frauen von diesem Gesetz betroffen und bedroht. Aus diesem Grunde rufen wir als Junge Frauen Bewegung (Jinên Ciwanên Azad) auf sich mit jeglichen revolutionären Frauenbewegungen der Welt zu solidarisieren, um gegen die Machtausübungen Erdogans zu protestieren. Gerade zu diesem Fall dürfen wir nicht schweigen. Patriarchale Regierungen, wie die in der Türkei, sind für alle Frauen der Welt eine Bedrohung, weil die männlich hegemoniale Mentalität unabhängig von Kultur, Herkunft und Alter alle Frauen rechtlos versklaven möchte. Die faschistische Regierung unterdrückt nicht nur unsere Sprache, unsere Kultur und unsere Identität sondern auch die Würde der Frau. Der dreckigen Diktatur AKPs muss ein Ende gesetzt werden, denn Erdogan kennt keine Grenzen. Er wird in der Zukunft noch bedrohlichere, noch unmenschlichere Entschlüsse durchführen.
Wir als die Jinên Ciwanên Azad fragen uns wie weiterhin Frauen die AKP unterstützten können, schließlich gibt es auch unter AKP-Anhängern Frauen, Schwestern, Töchter und Enkel. Im Rahmen unserer Kampagne „Xwebûn Xweparastin“ appellieren wir an den Menschenverstand. Wir mobilisieren uns gegen jegliche Angriffe auf Frauen seitlich der männlichen hegemonialen Mentalität, damit wir den Schreien leidender Frauen eine gerechte Antwort geben können. Xweparastin (Selbstverteidigung) ist keine Schuld, sondern ein natürliches Recht, auf welches jede Frau zurück greifen muss.“

Edit: Hier gibt’s ein Video von Protestaktionen heute (21.11.) in Izmir.

HDP: hûn ne tenê ne. yalnız değilsiniz. ihr seid nicht allein.

In Istanbul protestierten heute Frauen* der HDP, verschiedene feministische/Frauengruppen und Verbündete gegen die als Geißelnahmen bezeichneten Festnahmen der HDP-Parlamentarier_innen (inklusive der Co-Vorsitzenden Yüksekdag und Demirtas) in den vergangenen Tagen.

Die HDP ist die „Partei der Völker“, welche sich für ethnische Minderheiten, LGBT-Rechte, Umwelt und allgemein Frieden, Selbstbestimmung und Demokratie einsetzt.
Nach dem Verhängen des Ausnahmezustandes über die gesamte Türkei (nicht mehr nur in den kurdischen Gebieten, wo seit letzten Sommer bereits Kriegszustände herrschen), dem Schließen sämtlicher oppositionellen Medien in den vergangenen Monaten und dem großflächigen Austausch von Personen in Justiz, Bildung, Polizei, Militär, Beamten etc. wird nun auch gezielt die parlamentarische Opposition beseitigt. Die verbliebenen Parlamentarier_innen der HDP, deren Immunität bereits im Juni aufgehoben wurde, legten am Sonntag ihre Tätigkeiten bis auf weiteres nieder und verkündeten, sich nun in den Straßen, Dörfern und Städten mit der Bevölkerung (ihren ca. 6 Millionen Wähler_innen) zu beratschlagen.

Protest gegen dieses Vorgehen regte sich bereits in allen Teilen der Türkei, Europas und quer durch die Welt. (mehr…)

[now in English:] 8th of March: Whose Day? Or: Who is Women*?

Decided to have this post in English, too. :-)

Around the 8th of march a lot of feminist talks, demonstrations, parties and other events and actions took place that aimed at enriching exchange on (queer) feminist discussions and to take these (queer) feminist issues and struggles to the streets. Many of the activists involved have been working at linking several struggles and dimensions, through cooperations with different groups, taking into account topics of international feminist struggles and the situation of refugee (women*) in Germany, providing translation and trying to organize demonstrations that could be attended safely by refugees (without papers), too (for example the march organized by International Women’s Space in Berlin or the Reclaim Feminism demonstration in Cologne). The necessity of considering different structures of oppression has been made visible in many spaces – even if there is still a lot to do in many regards.
There is one barrier concerning the inclusion of diverse social positions and identifications which one encounters already in most events‘ titles or related texts: women*. More specifically: the usage of the term women*. (mehr…)

[english:] Materials on Transmisogyny

Since most of the materials I linked in the last post are in English anyway, I decided to sum up the earlier blog post and list just the English speaking resources.

Let’s jump right to it:
I was lucky enough to attend a Workshop by Louzie (she’s a political activist who focuses among lots of other topics – on trans* and trans*femininity issues – see her profile on the female speakers‘ list), which was super helpful – thanks Louzie!

Few points I learned are that were discussed in the workshop:
- Transmisogynie aims for the performance, not for identity; so all ‚male-appearing‘ persons that perform are seen to perform in a ‚feminin‘ way can be effected by that, including cis-males.
- we briefly discussed feminist socialisation and its impact on expectations and (hidden) rules, coming with (potential) exclusions.
- we heard about transwomen’s experience to be judged and excluded due to reproaches of ‚male dominant behaviour‘ – while cis-women are not called out for the same behaviour. Short question to remember whenever you wonder if critizising someone’s behaviour is transmisogynie or not: „Would it be a problem when a cis-woman did the same? No? Then it’s transmisogynie.“
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Here’s a list of materials on Transmisogynie, recommended by Louzie (mehr…)

Transmisogynie Materialtipps – Louzies Liste

Zum Thema Transmisogynie gab’s im Nachgang zum achten März hier schon ein paar Links…
Da ich in der Zwischenzeit die Freude hatte, einen Workshop zum Thema bei Louzie besuchen zu können, gibt es heute nochmal eine breitere Auswahl – denn Louzie hat mir netterweise ihre Liste mit Materialtipps zukommen lassen und ich darf sie hier für euch digital bereitstellen :-)

Aus dem Workshop hier nur drei kurze Punkte, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:

  • „Transmisogynie zielt auf die Performance, nicht auf die Identität“ – daher kann sich Transmisogynie auch gegen z.B. feminin gekleidete/gestylte Cis-Männer richten.
    (Feminin/maskulin bezieht sich in dieser Begriffsverwendung dabei auf Performance, während weiblich/männlich auf die Identifikation Bezug nimmt.)
  • Auf die Frage, welche Rolle die Sozialisation in diesem Zusammenhang spielt, kam Louzie auf „feministische Sozialisation“ (oder auch politische Sozialisation in linken u.ä. Räumen?) zu sprechen – also in welchen Räumen und Kontexten lernen wir denn wodurch, wie z.B. queere Räume sein sollen oder welches Verhalten vom wem wann o.k. ist … Interessanter Punkt wie ich finde.
  • Außerdem ging es auch darum (etwas grob zusammengefasst hier), dass das Verhalten von Transfrauen in queeren Räumen oft besonders kritisch beäugt wird und ihnen (potentiell) häufiger als Cis-Frauen ‚männliches‘ Verhalten vorgeworfen wird, evtl. mit der Konsequenz eines Raumverweises oder eines Meidens dieser Räume vonseiten der Transfrauen. „Wie kann ich feststellen, ob es sich um Transmisogynie handelt ? Ganz einfach in dem ich mir die Frage stelle: Wäre es ein Problem, wenn es eine Cis-Frau das gleiche macht? Wenn die Antwort „nein“ ist – dann handelt es sich um Transmisogynie.“

Zu Louzie: „Louzie ist politische Aktivistin mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive. Sie hat einen politischen Hintergrund in kapitalismuskritischen und Ökologie-Bewegungen, sowie einen beruflichen in IT und Kulturwissenschaften. Ihre derzeitigen Arbeitsschwerpunkte sind konsensuelle Sexualität und Antidiskriminierungsarbeit für trans* Menschen, besonders trans* Weiblichkeiten.“
Ihr findet Louzies Profil auf der Speakerinnenseite und könnt sie dort auch für Workshops anfragen – ich fand den Workshop sehr wertvoll, Louzie war sehr klar in ihrem Input und bei der Beantwortung unterschiedlichster Fragen und ich hatte den Eindruck, dass Leute mit recht unterschiedlichem Vorwissen etwas mit dem Workshop anfangen konnten. Ich kann euch also nur empfehlen die Gelegenheit zu ergreifen und sie einzuladen :-)

Vielen Dank Louzie!

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Transmisogynie – Materialtipps
Zusammengestellt von Louzie (mehr…)